Samstag, 10. August 2013
Konstanz – Tobel-Tägerschen, ca. 29 km
 

Zuhause geht es um 7.15 Uhr mit dem Auto los Richtung Konstanz. Die Fahrt ist sehr angenehm, um diese Zeit ist nirgendwo viel los auf den Straßen. So bin ich sehr frühzeitig in Wollmatingen, um mit dem Bus in die Innenstadt zu fahren. Das klappt auch reibungslos, ich steige beim „Schnetztor“ aus (im Münster war ich ja schon ;-). Das Wetter ist sehr schön, 20-25 Grad und leicht bewölkt. Es geht Richtung Schweizer Grenze und der Grenzbeamte interessiert sich auch gar nicht für mich… Nach der Unterführung beim Bahnhof in Kreuzlingen gibt es das erste Schild auf Schweizer Seite mit der Aufschrift „Via Jacobi“ (dem Jakobsweg, der durch die Schweiz führt). Die Beschilderung mit „Schwabenweg“ ist sensationell gut, ein Verlaufen ist kaum möglich. Oberhalb von Kreuzlingen führt der Weg an der Heiligkreuzkapelle in Bernrain vorbei. In der Kapelle findet wohl noch eine Trauung statt, sie ist dekoriert mit Sonnenblumen (so wie bei meiner Hochzeit).  Nach Lippoldswilen führt der Weg zuerst in einen Wald und steigt dann den Chemmibachtobel ab. Irgendwo in diesem Wald findet gerade ein Moto-Cross-Rennen des MC Hugelshofen statt, die Motoren heulen auf und ein Sprecher kommentiert das Rennen. Leider sehe ich vom Rennen nichts ;-(
Zur Mittagszeit komme ich in Märstetten an, einem kleinen Ort mit der schönen Kirche Jacobus und Verena mit einer tollen Sonnenuhr. Hier lohnt sich der kleine Umweg allemal. Ich mache hier meine Mittagspause, schade, dass die Kirche verschlossen ist. Nach 45 Minuten, einer Stärkung und einem kleinen Nickerchen geht´s weiter. Kurz nach Märstetten fällt mir ein Hinweisschild auf mit „Santiago de compostela 2.325 km“!
Die kleine Jakobskapelle in Kaltenbrunnen ist sehenswert mit schönen bunten Glasfenstern, eins davon vom heiligen Jakobus. Gegen 16.00 Uhr komme ich in Tobel an.In einem kleinen Laden kaufe ich mir ein Wasser und zwei Radler. Eins trinke ich gleich, das andere gönne ich mir abends im Bett. Mein Nachtquartier beziehe ich bei Dorli und Fredi Stulz in Tobel-Tägerschen (Sonnenhügel 15, Tägerschen). Ursprünglich wollte ich in der Komturei übernachten, aber es war wohl ein Glücksgriff, dass das nicht geklappt hat. Die Enkeltochter Vivien begrüßt mich und holt Dorli, die Oma. Sie ist eine sehr liebenswürdige Frau, die sich rührend um mich kümmert. Zur Begrüßung gibt es einen Kaffee, danach sogar noch ein Eis. Wir unterhalten uns prächtig. Als Fredi noch dazu kommt, schauen wir uns das „Pilgergästebuch“ an. Die beiden machen von jedem Pilger, der bei ihnen übernachtet, ein Bild, das ergänzt wird durch die persönlichen Eintragungen im Buch. Tolle „Hospitaleros“, die unbedingt zu empfehlen sind.

Sonntag, 11. August 2013
Tobel-Tägerschen – Steg, ca. 26,5 km

 

Nach dem üppigen Frühstück erhalte ich von Dorli noch ein Stück „Cervelat“ und ein Bier. Ich verspreche ihr, dass das mein Mittagessen sein wird ;-) Fredi und Vivien begleiten mich auf den Weg und zur Verabschiedung gibt es noch ein Bild von Vivien und mir beim schönen Wegkreuz. Dann geht es Richtung Hörnli. Auf dem Weg liegt der kleine Ort St. Margarethen. Dort in der alten Kapelle St. Margaretha gibt es nach der Eingangstür links und rechts uralte Inschriften von früheren Pilgern. Das war ein Tipp von Fredi Stulz, somit hat sich die Übernachtung bei Stulz´ schon wieder gelohnt ;-)
Der Weg geht weiter entlang der Murg, allerdings ist es in den Städten entlang der Murg etwas nervig, da auf den Wegen viele Hundehalter mit ihren Tieren unterwegs sind. Anscheinend interessiert sich von denen keiner für die Leinenpflicht, und so bin ich jedes Mal angespannt, ob der Hund nun an mir rumschnüffelt oder nicht!
In Oberwangen liegt, herrlich im Ort auf einer Anhöhe gelegen, die barocke Martinskapelle. Ein sehr schlichter weißer Innenraum mit einem Altarraum, in dem der Heilige Martin von der Heiligen Waldburga und der seligen Elisabetha Bona umrahmt wird. Hier esse ich an der Eingangstür die Wurst von Dorli, wie versprochen. Nach dem Ort geht es schon etwas steil aufwärts Richtung Fischingen. Dort angekommen schaue ich mir die barocke Klosterkirche an. Allerdings ist außer mir nur noch eine Frau in der Kirche. Im Innern befindet sich das Grabmal der heiligen Idda, darunter ist ein Fußloch mit einer Kraftquelle (danke auch hier wieder Fredi Stulz für den Tipp). Auch ich halte meine beiden Füße hinein. Beachtenswert ist ebenfalls noch die Kanzel, an der ein Arm mit einem Kruzifix raushängt.
Im Restaurant hole ich meinen Pilgerstempel ab und mache noch eine kurze Rast, bevor der Aufstieg zum Hörnli startet. Der Aufstieg ist teilweise sehr anspruchsvoll, am schwierigsten finde ich einen Wegteil durch den Wald mit sehr steilen Stufen. Oben auf dem „Hörnli“ angekommen ist die Sicht grandios auf das Schnebelhorn und den Säntis. Da habe ich mir ein Bier verdient, das genieße ich auf der Gasthausterrasse. Der Abstieg nach Steg ist angenehm. Dort angekommen verfehle ich den Abzweig zu meiner Herberge. Aber ein netter Mann mit seinen zwei kleinen Kindern hilft mir wieder auf den richtigen Weg. Bei Marcel und Karin Gafner ( Fischbach 1, 8496 Steg) angekommen werde ich schon erwartet. Auch ein Pilger sitzt schon dort, er kommt aus Melbourne, ist 75 Jahre alt (und sieht wie 60 aus) und kommt ursprünglich aus Ravensburg. Er war schon mehrfach auf dem Camino frances. Beim gemeinsamen Abendessen tauschen wir viele Jakobsweggeschichten aus, er war auch 2010 ca. 4-5 Tage vor mir auf dem Frances unterwegs. Wir sitzen alle zusammen, die Gafners, deren 3 Kinder, der Schwiegersohn und wir beiden Pilger. So ist Jakobsweg!

Montag, 12. August 2013
Steg – Rapperswil, ca. 22 km

 

Als ich um 08.00 Uhr aufwache, ist Herbert schon am Schuhe schnüren. So mache ich mich frisch und frühstücke mit Karin. Die anderen der Familie sind schon bei der Arbeit, die jüngste Tochter hat Ihren ersten Arbeitstag. So geht es bei  sehr angenehmem Wetter los. Nach wenigen Kilometern möchte ich mir die Kirche in Fischenthal anschauen, leider ist sie aber geschlossen. Dann sehe ich zum ersten Mal sehr deutlich die nahenden schneebedeckten Glarner und Schwyzer Alpen. Die Abzweigung für die Wegalternative über den Bachtel verpasse ich leider, obwohl ich heute sehr viel Zeit hätte.
In Blattenbach steht mit der ehemaligen Herberge „Zum roten Schwert“ ein wahres Kleinod aus dem Jahr 1530. Auf dem weiteren Weg begegne ich zwei Reiterinnen. Wir kommen ähnlich schnell voran und somit ergibt sich ein Small-talk. Als ich neben der Straße eine „Abkürzung“ nehme, ist das Lachen beim Wiedersehen groß, als wir uns nach 15 Minuten wieder auf einer gemeinsamen Straße treffen!
Auf dem weiteren Weg treffe ich Herbert wieder, der gerade rastet. Wir gehen dann gemeinsam die weiteren Kilometer bis nach Rapperswil. Erwähnenswert ist der Rastplatz bei der Familie Scherrer in Dachsegg kurz vor Rapperswil. Als wir das Schild mit kalten Getränken sehen, entscheiden wir uns für eine Rast. Es ist zwar niemand da, aber auf dem Tisch liegt ein Schild mit „Getränken im Kühlschrank“. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen ich entscheide mich für einen alkoholfreien Most von „Möhl“. Wenig später kommen die Besitzer, ein älteres Ehepaar. Sie sind sehr bemüht um uns und  richtig sympathisch. An dieser Stelle vielen Dank für Euren Dienst an den Pilgern!!
Um 15.00 Uhr kommen wir in Rapperswil an, die Herberge öffnet aber erst um 16.00 Uhr. Somit entscheiden wir uns bei dem schönen Wetter, ein Erdinger Weißbier zu trinken, natürlich im Restaurant „Jakob“. Um 16.00 Uhr gehen wir dann in die schön gelegene Herberge in Rapperswil (Seestr. 5, Rapperswil). Es ist eines der Highlights auf dem Schwabenweg, so modern und toll eingerichtet. Außer Herbert und mir ist nur noch eine Pilgerin in der Herberge. Nach einer frischen Dusche schauen wir uns Rapperswil mit der Burg und der Promenade an und entscheiden uns für eine Pizzeria. Den Abschluss bildet ein Grappa (natürlich für deutsche Verhältnisse viiieel zu teuer), und Herbert lädt mich danach ins Restaurant im ehemaligen Rathaus ein. Es sollte noch ein langer, gesprächsreicher und lustiger Abend werden…
 
Dienstag, 13. August 2013
Rapperswil – Einsiedeln, ca. 16,5 km
 

Nach einer sehr kurzen Nacht, und das nicht wegen dem letzten Bierchen sondern wegen der Schwüle in der Herberge, wachen wir alle drei so gegen 07.30 Uhr auf. Nach der Morgentoilette verlassen wir zwei Männer die Herberge um 08.00 Uhr, die Mitpilgerin ist schon etwas früher losgelaufen. Noch regnet es nicht, aber kurz vor dem schönen Steg von Rapperswil über den Zürichsee nach Pfäffikon beginnt es zu regnen und wir ziehen die Regensachen an. In der Nähe des Bahnhofes in Pfäffikon frühstücken wir, einen Kaffee mit einem Croissant.
Danach geht es teilweise sehr steil den Etzelpass nach oben. Unterwegs treffen wir ein Ehepaar, das Etappenweise den Jakobsweg durch Deutschland und die Schweiz geht. Ein dritter Pilger kann oder möchte heute nicht laufen, die beiden haben aber seinen Pilgerpass und stempeln für ihn. Das geht ja gar nicht, das ist keine Pilgerehre ;-( Oben auf der Passhöhe angekommen steht die kleine Kapelle von St. Meinrad. Wir machen einen kleinen Stopp und schauen uns die Kapelle an.Es hat aufgehört zu regnen. Leider ist es sehr bewölkt, die grandiose Sicht auf die Berge ist durch die dichten Wolken verwehrt. Schade.
Wir wandern gemütlich weiter, gehen über die berühmte Teufelsbrücke (Tüfelsbrugg). Der Wegverlauf ist immer ein Auf und Ab, aber landschaftlich wieder sehr schön. Von weitem sehen wir schon den Sihlsee und rechts davon sind auch schon die Türme des heutigen Tagesziels, Kloster Einsiedeln, zu sehen. Um ca. 12.45 Uhr kommen wir auf dem Klostervorplatz an, auf dem Tribünen für die Aufführung des „Einsiedler Welttheaters“ aufgebaut sind. Für eine Vorführung sind wir leider zu früh.
Das Kloster ist sehr beeindruckend, eine tolle Kirche. Als ich ein Bild von der schwarzen Madonna machen will, stoppt mit ein netter Mitarbeiter: Fotografieren verboten. So bleibt die Erinnerung nur im Kopf und bei Google-Bilder. Um die Mittagszeit ist es schwer, einen Pilgerstempel zu ergattern: Im Inneren der Kirche ist zwar eine Pforte vorne rechts, diese ist aber nicht besetzt. Der Klosterladen hat Mittagspause. So klingeln wir an der Pforte im Innenhof, an der uns eine nette Frau öffnet und sehr bereitwillig den Pass stempelt. Danach machen Herbert und ich uns auf dem Weg zum nahegelegenen Bahnhof, um die Heimfahrt anzutreten. Er mit Ziel Will, ich nach Konstanz. Da wir noch etwas Zeit haben, bis unser Zug nach Zürich abfährt, kaufen wir in einer Bäckerei noch eine Essensration für den Heimweg. In Zürich trennen sich leider unsere Wege, aber nicht ohne uns zu verabschieden auf ein Wiedersehen mit einem herzlichen „buen camino“. Die Rückfahrt nach Konstanz und dann mit dem Auto nach Hause verläuft unspektakulär. Für dieses Jahr ist die Pilgerreise beendet, wann es weitergeht, weiß ich heute noch nicht. Aber der Jakobswegvirus ist nach wie vor da ;-)

Konstanz Schnetztor

Wegweiser "via Jacobi"

verlaufen unmöglich

Wegweiser

0

1

2

3

Starke Schweizer

schön sonnig

Kirche Märstetten

Sonnenuhr

4

5

6

7

Mittagsrast

Fesnterbild Kaltenbrunnen

Schöne Landschaft

Kirche St. Margarethen

8

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Wandmalerei St. Margarethen

glückliche Kühe

in Fischingen

Kloster Fischingen Deckenfreske

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Altar Hl. Idda

Kloster Fischingen

schönes Haus

sehr steiler Anstieg zum Hörnli

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Allenwinden

Rückblick nach Tobel-Tägerschen

Dreikantoneneck

Hörnli on the Top

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Blick ins Tösstal

schöne Berge

Begleitung hoch zu Ross

weiser Spruch

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Pause in Dachsegg

Rapperswil

das Erdinger Weissbier ....

Hotel Jakob

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Pilgerherberge Rapperswil

Blick auf den Zürichsee

Sogar Jakobswegmülleimer gibt´s

Herbert auf dem Steg

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St. Meinrad

Kloster Einsiedeln

Bahnhof Einsiedeln

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